Meine Fische haben weisse Punkte!!

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Meine Fische haben weisse Punkte!!

Beitragvon Koimaxe » 05.01.2007, 00:12

Weisse Punkte am Fisch; Was nun?


Eine immer wiederkehrende Frage. Man hat Fische gekauft oder schon etwas länger und plötzlich tauchen diese ominösen weissen Punkte auf. Vielleicht sind schon einige gestorben oder sind kurz davor. Um dem Anfänger hier eine Hilfe zu geben, habe ich die immer wieder auftauchenden Fragen hier versucht zu beantworten.


Um was handelt es sich?

Ichtyopthirius multifiliis, so nennt sich dieser Parasit, besser bekannt als "Weisspünktchenkrankheit".


Wie bemerke ich ob meine Fische infiziert sind?

Deine Fische versuchen den Parasiten, der aussen auf der Schleimhaut sitzt abzustreifen. Sie bemerken den ungebetenen Gast und wollen ihn loswerden. Deswegen versuchen sie ihn an Gegenständen abzustreifen.


Ist das eine Krankheit?

Nein, Parasiten sind keine Krankheit, sondern lösen unter Umständen welche aus.


Ist das gefährlich für meine Fische?

Ja, unbehandelt führt es unweigerlich zum Tode


Wie kommt dieser Parasit in mein Aquarium?

Der Parasit ist latent immer im Aquarium vorhanden und deine Fische tragen ihn ständig mit sich herum. Hinein kommt er durch andere oder neue Fische oder Tütenwasser oder Dinge die man eben ins Wasser einbringt, was vorher mit Fischwasser in Berührung war.


Wieso werden meine Fische davon befallen?

Fische haben ein Immunsystem wie wir Menschen auch. Es ist aber nicht so ausgefeilt wie das unsere und funktioniert hauptsächlich über die Schleimhaut des Fisches. Durch einen äußeren Umstand wird der Fisch nun geschwächt und der Parasit nutzt die Gunst der Stunde. Er bohrt sich durch die Schleimhaut und lebt schmarotzend von den Körpersäften des Fisches.


Aber wodurch wird der Fisch geschwächt?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Die häufigste Ursache sind keine gleichbleibenden Werte des Wassers. Was versteht man darunter? Temperatur ist hier zu nennen und der PH-Wert des Wassers zum Beispiel. Temperatur ist ein nicht zu unterschätzender Auslöser.
Fische sind wechselwarme Wesen, was bedeutet, sie müssen ob sie wollen oder nicht, die Temperatur des sie umgebenden Mediums annehmen. Sie besitzen keinen Kreislauf wie Menschen der Hitze erzeugt. Führst du nun einen Wasserwechsel durch und achtest nicht so genau auf die Temperaturunterschiede, kann das deinen Fisch schon schwächen. Ein Unterschied von mehr als 3 Grad reicht aus um das Immunsystem bei deinen Fischen auszuschalten.

Hinzu kommt noch der plötzlich auftretende PH-Wert Unterschied durch den Wasserwechsel, weil alles schnell schnell gehen muß. Wichtig ist auch wie lange der letzte Wechsel zurückliegt! Je länger ich warte mit dem Wasserwechsel, desto höher die Konzentration an Abfallstoffen im Aquarienwassen, desto stärker die Schwankungen beim Zuführen von frischen Wasser. Lange Wartezeiten zum nächsten Wasserwechsel von mehr als 2 Wochen sind nicht angeraten, ja geradezu schlecht! Der Fisch schwimmt also in seinen eigenen Abfällen, weil die lieben Bakterien im Filter nicht alles schaffen.


Ok, eines davon war es. Was mach ich jetzt...?

Zuerst mal ruhig Blut. Keine Panik, es gibt Medikamente gegen diese Parasiten.
Aber...die Medikamente welche es im Handel gibt, wirken nicht gegen den Parasiten am Fisch! Es existiert kein Medikament gegen diesen Schwächeparasiten, der ihn schon am Fisch abtötet. Es ginge auch nicht, da er selber durch die Schleimhaut geschützt ist. Das Medikament wirkt nur gegen seine Nachkommen. Diese werden wirksam abgetötet und eine weitere Verbreitung in deinem Aquarium verhindert.


Wie helfe ich dann meinen befallenen Fischen?

Da gibt es nicht viele Möglichkeiten und alle sind eher nur unterstützend. Dem Fisch wird es leichter gemacht mit dem Parasit fertig zu werden.
    a.) Färbende Medikamente wir Methylenblau oder Malachitgrünoxalat (steht auf der Rückseite der Medikamente oder auf dem Beipackzettel), welche in den meisten als Zutat enthalten ist sind lichtempfindlich. Das bedeutet, das Licht deiner Beleuchtung zerstört diese Medikamente und schwächt deren Wirkung. Also Licht aus währende der Behandlung.

    b.) Erhöhe die Temperatur im Aquarium auf etwa 28°-29°. Es gibt Quellen in Büchern die durchaus noch höhere Temperaturen empfehlen, aber wir wollen die Kur unterstützen und nicht mit Hitzeschocks arbeiten. Der Fisch wird bei höheren Temperaturen eher mit dem Parasiten fertig, da die Lebensphase des Parasiten durch die höhere Temperatur wesentlich schneller abläuft.

    c.) Wenn du eines der oben genannten Mittel einbringst, dann lass dir von einem Händler deiner Wahl ein zuverlässiges Mittel geben. Achte aber auf folgendes; das Mittel alleine wirkt wie ich bereits erwähnte nur gegen die Nachkommen, die sogenannten freien Schwärmer. Diese werden durch den Mutterparasiten entlassen, nachdem dieser vom Fisch abfällt und zu Boden sinkt am Ende seines Lebenszyklus.

    d.) Das Loch welches der Parasit dabei am Fisch hinterlässt ist ein willkommener Eingang für neue Parasiten oder einen widerlichen Pilz, der dann zu einem wattebauschartigen Auswuchs anwächst. Hier hilft dir z.B. Ectopur. Es handelt sich um ein Salz in Verbindung mit Sauerstoffbildenden Zutaten. Dieses Salz bewirkt beim Fisch das er mehr schleimen muß. Dadurch werden solche Löcher geschlossen und neue Parasiten die noch nicht durch die Schleimhaut durch sind "weg gedrückt".
    Pilze werden so ebenfalls abgetötet und der Fisch läuft nicht Gefahr an einer Sekundärinfektion zu Grunde zu gehen.

    e.) Sauerstoff ist wichtig bei Medikamenten. Alle Medikamente zehren am Sauerstoff und machen den Fischen durch weniger Sauerstoff das Atmen schwer. Das ganze wird noch Mals erhöht durch die höhere Temperatur, da warmes Wasser weniger Sauerstoff bindet als kaltes Wasser. Also ist Ectopur das richtige Mittel, es bringt noch Sauerstoff hinzu. Wenn du noch eine kleine Luftpumpe für dein Becken besitzt ist das auch hilfreich.

    f.) Führe die Behandlung solange fort, wie es in der Beschreibung des Medikaments steht. Fische die oberflächlich keine Anzeichen mehr von Ichyto haben, können noch immer befallen sein.

    g.) Nach erfolgreicher Behandlung empfiehlt sich vorsichtiger Teilwasserwechsel und eine Filterung über Aktivkohle. Damit holst du die Reste der Medikamente aus dem Wassern. Der Wasserwechsel alleine würde diese nur verdünnen.



Kann ich danach neue Fisch einsetzen?

Kannst du. Aber achte beim Einkauf ob die Fische sich irgendwo scheuern im Händleraquarium. Nimm dir Zeit und schaue lange genug hinein ob dort irgendwelche Kandidaten vorhanden sind, die diesen Parasiten wieder zum Ausbrechen bringen.


Kann ich mich davor schützen?

Ja und Nein! Der einzige echte Schutz sind konstante Werte in deinem Aquarium. Wenn dort große Schwankungen vorkommen schwächeln deine Fische immer wieder, genau so, wie wir eben immer wieder mal einen Schnupfen bekommen. Ichtyo ist ein Schwächeparasit! Sofern deine Fische nicht schwach auf der Brust sind, kommt er niemals zum Zuge. Aber eine Sicherheit gibt es nicht. Er kann immer wieder mal ausbrechen, wird aber bei richtiger und schneller Behandlung genauso schnell wieder verschwinden ohne Schaden anzurichten.
Tütenwasser gehört nicht ins Aquarium...




Viele liebe Grüße
Zuletzt geändert von Koimaxe am 13.11.2007, 19:57, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Koimaxe » 16.02.2007, 20:13

*bump*
Viele Grüße

Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier ebenso geahndet wird wie das Verbrechen am Menschen.
(Leonardo da Vinci)


Wer etwas Tun will sucht Wege es zu tun...Wer etwas nicht will sucht Gründe es nicht zu tun...
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