Behandlung von Ichtyokrankheit

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Behandlung von Ichtyokrankheit

Beitragvon Koimaxe » 16.07.2006, 11:31

Hallo zusammen,


ich habe mir hier einige Beiträge durchgelesen in Bezug auf Behandlung bei Weisspünktchenkrankheit. Eine Krankheit im eigentlich Sinne ist es erstmal nicht, da es ein Parasit ist der schmarotzend am Fisch lebt. Im Allgemeinen beschreibt man es aber als Krankheit.
Meine Kenntnis nach und auch aus eigener Erfahrung gibt es derzeit kein Medikament, welches den Parasiten abtötet am Fisch. Ginge auch nicht so ohne weiteres, da er durch die Schleimhaut des Fisches geschützt ist. Sämtliche bekannten Medikamente wirken einzig und allein gegen die freien Schwärmer, die der Parasit nach dem Abfallen am Fisch ans freie Wasser abgibt.
Ich verhindere also mit meiner medikamentösen Behandlung lediglich die Ausbreitung.
Sehe ich die Punkte am Fisch ist die eigentliche Inkubationsphase (Zeit von Ansteckung und Ausbreitung) bereits überschritten. Die meisten Behandlungen weisen hier auf eine Temperaturerhöhung hin mit Einsatz von Salz oder FMC, oder anderen Mittelchen.

Nach meiner einschlägigen Kenntnis der Materie hat sich folgendes bewährt.
Um die letale Wirkung der Temperatur auszunutzen, ist eine Erhöhung der Temperatur anzuraten und zwar Stufenweise in 2 Grad Schritten über 24 Stunden auf 30°.
Dann sollte man das Licht ausschalten, da die färbenden Medikamente wie Malachitgrünoxalat oder Methylenblau lichtempfindlich sind. Das kann man beobachten, wenn man diese Mittel ins Aquarium einbringt, das Wasser sich z.B. blau einfärbt und diese Färbung nach 2 Stunden weg ist.
Eine Salzzugabe empfiehlt sich ebenfalls, wobei ich kein Freund von Kochsalz bin ob mit oder ohne Jod. Das ist synthetisches Salz und gehört überhaupt nicht ins Aquarium.
Meersalz ist hier das Mittel der Wahl, wobei es auch hier (komischerweise) auf das eingesetzte Salz ankommt.
Siehe dazu hier: http://bluewatersalt.com/aquaristik.htm
Dieses Salz ist das EINZIGE mit analysierter Inhaltsstoffangabe, sowie mikrobiologischer Untersuchung des Institiutes für Lebensmittelmikrobiologie der Stadt Bonn. Ich verwende dieses Salz nur noch (Werbung ok, ist aber wirklich Super).
Schrittweise Anhebung des Salzgehaltes auf ca. 1,5% halte ich für angemessen. Das lässt sich leicht ausrechnen, wenn man von folgendem Salzgehalt ausgeht.
Meerwasser liegt bei 3-3,5%, das ergibt auf einen Liter Wasser etwa 34g Meersalz. Ein Teelöffel hat etwa 3 Gramm.

Diese Salzbehandlung schrittweise erhöhen über 48 Stunden und nur einmal durchführen. Schliesslich will man seine Fische nicht in Salzwasser halten und es belstet extrem den Organismus. Was das Salz auslöst ist ein leichter osmotischer Schock, wobei der Fisch anfängt zu schleimen. Damit werden also die Parasiten "weggedrückt".
Das Salz hilft hierbei die entstandenen Löcher welche der Parasit beim Abfallen hinterlässt, wieder zu schliessen und verhindert damit weitere Sekundärinfektionen (Bakterieller Befall, Pilzerkrankungen). Behandlungen ohne Salz (z.B. Ectopur SERA) sind somit lange nicht so wirkungsvoll wie mit!
Ichtyo mag überhaupt keine hohen Temperaturen, daher die Temperaturerhöhung.
Die Behandlungsdauer richtet sich hierbei nach dem Grad der Erkrankung und sollte nach Möglichkeit über einen Zeitraum von mindestens 3-4 Tagen weitergeführt werden, um wirklich auch alle zu Ichtyo Parasiten erledigen.
Danach schrittweise wieder Teilwasserwechsel durchführen und nicht von jetzt auf gleich 1/3 oder 1/2 des Beckeninhaltes. Der Effekt der Verringerung des Salzgehaltes ist für unsere Fische nämlich auch nicht gerade angeraten. 1/8 Teilwasserwechsel über 48 Stunden sollte hier helfen. Zusätzlich sollte hiernach über Aktivkohle gefiltert werden, um die Restbeständen von Medikamenten aus dem Wasser zu holen und eventuelle Farbrückstände.
Gutes Füttern ist hier ebenso wichtig wie ein zusätzliches Belüften des Wassers. Medikamtent plus Temperaturerhöhung entziehen dem Wasser Sauerstoff, oder anders gesagt, warmes Wasser hat eine wesentlich geringere Sauerstoffbindung als kälteres Wasser. Das Medikament tut dann sein übriges hinzu.
Eine ordentliche Mulmbehandlung sollte zusätzlich erfolgen um die eingegrabenen Parasiten zu erwischen.





Was ich teilweise beobachtet habe ist, das trotz der o.g. Behandlungsmethode der Erreger nicht abstirbt, sondern im Gegenteil, das es noch zu einer verstärkten Ausweitung kommen kann. ich bin hier der Meinung, das es entweder eine zweite Unterart mittlerweile gibt, oder der eigentliche Ichtyo starke Resistenzen gebildet hat im Laufe der letzten 20 Jahre.
In diesem Fall setze ich Formalinhaltige Medikamte und Salz ein.

Generell:

Salz schadet den Pflanzen in hohen Maße. Also bitte entnehmen vor der Behandlung.
Jungfische werden das höchstwahrscheinlich nicht überleben.
Bitte keine "vorbeugenden" Zugaben ins Wasser geben. Der Parasit ist immer latent vorhanden. Gesunde Fische haben ein starkes Immunsystem und benötigen keine Vorbeugung. Das ist hanebüchener Unsinn!
Ab drei Grad Temperaturdifferenz bei Transporten oder von Wasser A nach Wasser B, setzt beim Zierfisch das Immunsystem aus! Daher immer auf gleiche oder annähernde Temperatur achten!
Der Ph-Wert ist für Fische logarythmisch aufgebaut, bedeutet, von Ph 6 zu 7 ist zehnfache Differenz, von Ph 7 zu 8 ist hundertfache Differenz und von Ph 8 zu 9 schon tausendfach! Das alleine reicht um meine Fische krank werden zu lassen!

EDIT: Bitte nicht in den Wahn verfallen, Methylenblau oder ähnliches nachzudosieren, weil man ab Zeitpunkt der Verabreichung eine Verstärkung des Ichtyo bemerkt. Motto: "...hat nicht gewirkt...ist mehr geworden...noch eine Ladung hinterher." Bitte so nicht vorgehen!!!! Inkubationszeit beachten und merken. Nicht alle Punkte die ich sehe, sind komplett alle Erreger. Da sind welche schon vorhanden, die noch wachsen. Daher wird man trotz Behandlung eine Verstärkung bemerken. Keine Panik...das legt sich wieder!

Vielleicht hilft es dem einen oder anderen weiter

Schöne Grüße :wink:
Zuletzt geändert von Koimaxe am 17.07.2006, 02:17, insgesamt 6-mal geändert.
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Beitragvon Poecilia sphenops » 16.07.2006, 21:54

Hallöchen,

das ist ja mal eine Info - die versteh ich sogar als Laie :wink:

Bis jetzt hab ich ja Glück gehabt -aber demnächst muss (will) ich einen großen Fischtausch starten und muss deshalb mal fragen: Wie umgeh ich das gleich, dass meine Fische krank werden????
Kann ich das überhaupt?? Ich erkenne vermutlich nicht einmal, dass einer krank ist - jedenfalls wenn ich in einem Laden stehe und mir welche aussuche :oops:

Sollte ich mir dafür ein Quarantänebecken einrichten?? Aber dafür muss man Platz haben und es steht ja auch nicht gleich innerhalb von ein paar Wochen?? Aber eigentlich will ich kein 2. Becken aufstellen :oops:

Bei mir ist bei 3x Bezug von Fischen alles gutgegangen. 1x privat, 2x aus dem Handel. Ich gutgläubiger Mensch habe die Fische samt Transportbeutel (so stehts auf der Packung) ins AQ gepackt und dort erstmal gelassen. Einmal hab ich den Beutel nach dem "Temperaturangleich" direkt ins AQ gekippt :shock: Dachte halt, es ist nicht so stressig als wieder in ein kleines Behältnis zu kippen um sie dort wieder rauszufischen ... Die anderen beiden Mal auch (wiedereinmal falsch) ins Minibecken gekippt - und mit AQ-Wasser aufgefüllt. Dann rausgekascht ...

Wie soll es denn nun richtig gehen - damit ich mir so eine Krankheit nicht einfange??? Ich kann hier auch nix offen stehen lassen, da sich sonst meine Katzen an den Neuankömmlingen erfreuen !! Eigentlich bin ich auch recht ungeduldig und würde gern die Fische gleich ins AQ packen - habe bis jetzt aber "nur" bis zu 2 Stunden gewartet :shock:

So .... bin gespannt

LG
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Beitragvon Koimaxe » 16.07.2006, 22:07

Hallo Astrid,

meiner Meinung nach hat Transportwasser im Aquarium nichts zu suchen. Wenn, dann werden nur die Fische umgesetzt. Ein Quarantänebecken ist immer angeraten, sei es noch so klein. Das Wasser dort ist gleich mit dem Wasser im Hauptbecken.
Wie geht das? Teilwechsel Becken groß nach Becken kleine zur Hälfte und Rest mit Frischwasser auffüllen.
Ich lasse Neuzugänge mindestens 2 Wochen in einem Quarantänebecken, bevor die ins Hauptbecken wandern. Fütterung erst nach einer Woche. Damit sehe ich mir den Kot an wie der aussieht (weißlich, durscheinend oder schleimig etc.). Ist der in Ordnung ist schon Mal die Gefahr von Darmparasiten geringer. Die werden übrigens sehr gerne von Guppy, Molly und Co. eingeschleppt.

Lauch hilft hier weiter, den man gedünstet und kleingemacht zum Füttern gibt. Reinigt den Darminhalt.
Wenn die Temperatur gleich ist (kann man doch messen...) füllt man Beckenwasser in den Beutel oder eben in einen Eimer/Tupper etc. um den Ph-Wert anzugleichen (kann man auch messen vorher...Tüte und Becken)
Sind die Werte annähernd gleich darf man umsetzen, aber eben nur die Fische!

Das dauert natürlich alles etwas, aber wir reden ja auch über Tiere..die fordern das eben.


Gruß
Koimaxe
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Beitragvon Aqua-Aquaristik » 16.07.2006, 22:13

Hallo Koimaxe, ein interessanter Beitrag

ich verschiebe ihn auch mal als Kopie in die Rubrik Tutorials. Also unsere Sammlung.

Gruß

Matthias
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Beitragvon Poecilia sphenops » 16.07.2006, 22:18

Da hab ich dann ja bis jetzt Glück gehabt *püh*

Ich habe aber nur ein kleines Minibecken - damit ich die Fische besser Kaschen (wie schreibt man das eigentlich ?!) kann. Da will ich bestimmt keinen Fisch länger als 2 Stunden sehen :shock:

Aber den Stuhl beobachten würde da gut gehen ... Das sind immerhin ein paar gute Tipps für einen Laien; auf die Idee wäre ich nie gekommen :idea:

Für ein 2. AQ bzw. Quarantänebecken habe ich definitiv keinen Platz; vielleicht hole ich mir meine Fische in Zukunft nur noch von Bekannten - irgendwie haben die ja alle Guppys und Mollys - auch wenn nur zur Fütterungszwecken :roll:

Man man man ... das ist alles nicht so einfach :roll:

LG
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